LAGERFRIEDHOF SOMMEREIN / KAISERSTEINBRUCH

BEGRABENE ERINNERUNGEN

Ende 2. Weltkrieg – zerbombte Dörfer, verbrannte Felder, unzählig massakrierte Zivilisten. Elend und Hoffungslosigkeit so weit das Auge reicht.
Ausgehungert gedemütigt, teils vom Krieg entmenschlicht oder aber durch das erfahrene Leid, zur menschlich und Barmherzigkeit gelangte Krieger. Gehalten einzig in ihrer steifen aufrechtzwingenden Uniform, diese längst von ihren ausgemergelten Körpern abzufallen scheint. Mit toten, desillusionierten Augen – sprachlos über das erlebte, schleppen sie sich durch eine fremde feindliche Welt. Frostbeulen an ihren Händen – Tuberkulös, der Atem der noch aus ihren Lungen strömt. Aus ihrer Erinnerung fließt warmes Blut. Blutige Erinnerungen die die meisten von ihnen, mit billigen Schnaps zu ertränken suchen – aber auch Liebe und Barmherzigkeit zum „Feind“ durchzieht die Herzen und Köpfe der Krieger.
Krieger des Schreckens, einst aus ferneren Ländern von ihren mitgefühlfreien Generälen gesandt –  in Scharen herbeiströmt  – Schachfiguren die zum fallen aufgestellt und nie dazu bestimmt waren, den zu erkämpfenden Sieg und den daraus resultierenden Profit zu erleben. Sie kämpften tapfer und folgsam für Sieg und Frieden. Warum waren sie wie wir,bereit dazu ? Weil es sich herumgesprochen hatte das Desertion zwangsläufig auch zum Tod führt, und daher ohnehin alles gleich war ? Wenn schon sterben dann edelmütig in Ehre? Weil sie und wir gehorchten, dass eine bessere Welt nur erkämpft werden kann, und der Feind bereits lauert? Und überhaupt wir sind nun mal sterblich warum dann nicht für die gute Sache des Sieges einstehen und nach dem Sieg kommt schließlich auch wieder Frieden ins Land. Doch war Frieden nach dem ersten aller Kriege möglich ? Martin Kessel brachte diese Frage treffend auf den Punkt:

„Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“

In der historisch belegten Menschheitsgeschichte sollen knapp 14.400 Kriege stattgefunden haben, denen ungefähr 3,5 Milliarden Menschen zum Opfer gefallen sind.

Ist Frieden nur auf Friedhöfen möglich?

AM ENDE DER ILLUSION

Vermag der Mensch erst ein friedliches Miteinander wenn Krieg und Elend ihm hinreichend das Fürchten gelehrt haben? Und wie lange hält die Lehre der Erinnerung des Entsetzens?
Noch im Schrecken des Krieges gefangen aber doch mit aufkeimender Hoffnung in der Brust, fanden sich in Kaisersteinbruch im Burgenland 1945 an einem herrlichen Apriltag, tausende Angehörige vieler „fremder“ Nationen zusammen, um sich auf ihre auf ihre Reise in die verlorene Heimat vorzubereiten.

„Fronleichnamsgottesdienst! Ein herrlicher, tiefblauer Himmel, die Kirche gedrängt voll (zu diesem Zeitpunkt noch völlig intakt), am Friedhof standen sie eng um die Grabkreuze, saßen auf den Mauern, um nur ja dabei zu sein und den Herrgott aus vollem Herzen zu preisen. Welche Einheit der Nationen, welche Eintracht der Völker! In fünf Sprachen wurde das Evangelium verkündet, geduldig standen die anderen da, auch wenn sie die Sprache nicht verstanden! Welcher Zusammenklang, welche Harmonie, alle fügten sich zu einer Einheit, die nicht im geringsten kommandiert oder erzwungen war.
Triumph des Glaubens, der alle eins macht, ohne den einzelnen zu erdrücken, der alle vereinigt, ohne einen zu übersehen oder zu verachten! Wie ergreifend war es erst bei der Prozession! Da sangen die Italiener, ergriffen lauschten die anderen, dann kamen die Polen an die Reihe, die mit Hingabe ihre Glaubenslieder vortrugen. Ohne Murren warteten die Franzosen, bis sie an die Reihe kamen. Am Rand der Straße standen Griechen und Bulgaren, Rumänen und Holländer, Belgier und Tschechen, auch wenn viele von ihnen nicht katholisch waren, sie spürten: wir gehören zusammen!
Ein gewaltiges Fest der Einheit war es, das alle beglückte und allen zeigte, dass nur auf den Fundamenten des Glaubens eine neue und bessere Welt entstehen kann.“
– JOSEF FRANZL, KRIEGSGEFANGENEN-SEELSORGER –

 

DIE ES NICHT LEBEND IN DIE HEIMAT SCHAFFTEN

 

 

Sieg und Frieden – den immer die Lebenden für sie feiern werden. Meist jene, welche fern von Schlachtfeldern bleiben, und es verstehen zu leben.Jene die irgendwann den Begriff Desertion gekonnt als Machinstrument erschaffen haben weil ihnen bereits zu viele Seelen gedacht haben.

Ihr werdet Soldaten. Ein Soldat denkt nicht. Er gehorcht nur. Glaubt ihr wirklich, wenn ein Soldat nachdächte, gäbe er sein Leben für Königin und Vaterland? Verdammt unwahrscheinlich!  -Daniel Dravo- 

 

Zu Asche weil sie nach dem Willen jener Generäle bis “ zum letzten Mann “ verheizt werden, oder für die Illusion “ für das Vaterland in Ehre sterben “ sollten.

Nun, liegen sie dort wie hier. Aufgereiht – namenlos begraben mit all ihren Erinnerungen auf den Lagerfriedhöfen der Welt. In Frieden. In aller uns ihnen möglich gebenden Ehrerbietung. Ehrerbietung der Begriff der ja nun auch Zuspruch bedeutet. Zuspruch, zum Krieg ?
Tausende namenlose Seelen, entwurzelt aus ihrer einstigen Erde – hier unter schwarzer Bauernerde beerdigt- Gefallen auf der Erde derer die sie besiegen wollten. Auf ihren Gräbern wachsen Blumen, fast von allein. Fast. Die Erhaltung der Gräber wurde zu Ehren der Gefallenen im Staatsvertrag mit den Nationen geregelt.
Ein Pakt, der gemeinsame Tribut aller Nationen der neuen Generäle, an die für sie gefallen und noch zu fallenden Soldaten.

Wenn man den Quellen Wikipedias Glauben schenken darf, wurde der Lagerfriedhof in Sommerein / Kaisersteinbruch in der Zeit des Winters 1941 / 1942 aufgrund der zunehmend gewaltigen Zahlen toter Kriegsgefangenen nur wenige Meter des Gefangenlagers errichtet. Zuvor als die Toten noch zählbar waren, wurden sie üblicherweise auf dem Ortsfriedhof begraben, wo heute ein Kreuz der ehemaligen französischen Kriegsgefangen erinnert.
Auf dem Lagerfriedhof fanden etwa noch während des Krieges Beerdigungen für ungefähr achttausend Sowjet-Russen, eintausend Rumänen, und von anderen Nationen, wie Franzosen, Jugoslawen, Griechen und Italiener, zusammen nahezu zehntausend Personen, dann sechs Engländer und ein Amerikaner statt. Hunderte Volksdeutsche, die 1945/46 im Lager untergebracht waren und verstorben sind, folgten hinzu. Zwischen 1945 bis 1955 wurde noch eine noch größere Zahl von Angehörigen der russischen Besatzungsmacht, die hier im Lager verstorben sind, auf diesem Friedhof beerdigt. Die russischen Kriegsgefangenen, die während des Krieges hier im Lager verstorben sind, kamen alle in große Schachtgräber.

Die der anderen Nationen waren in Einzelgräbern untergebracht. Die Amerikaner, Engländer und Franzosen ließen noch im Sommer 1947 ihre toten Angehörigen exhumieren und in die Heimat überführen.

Im Auftrage der russischen Besatzungsmacht begannen im September 1947 die Arbeiten. Die niederösterreichische Landesregierung organisierte die Einebnung mittels Traktoren, darauf pflanzte man eine parkähnliche Anlage mit blühenden Sträuchern und Bäumen. Eine umlaufende Mauer aus Naturstein wurde errichtet. An der Südseite entstand ein großes russisches Mahnmal und an den Längsseiten wurden in gleichmäßigen Abständen Gedenksteine für die Verstorbenen der anderen Nationen aufgestellt. Nach Norden zu wird die Gedächtnisstätte mit einer Eingangspforte abgeschlossen.

Lasst uns die Zeitzeugenden ihrer ihnen quälenden Erinnerungen erzählen! Immer wieder, immer.Immer wieder……

„Gemeinsame Erinnerungen sind manchmal die besten Friedensstifter.“
Marcel Proust